Categories:

WLAN nachts aus spart 1 Euro Strom? Test mit Speedport, Mikrotik, Aruba und TP-Link

Veröffentlicht von empy
Lesezeit: 5 Minuten

Es gibt zahlreiche Gründe weshalb es sinnvoll sein kann, das heimische WLAN nachts auszuschalten. Ist ein WLAN deaktiviert, sendet es keine SSID aus. Potenzielle Angreifer schauen dann in die Röhre, denn niemand kann ein WLAN unbefugt nutzen, wenn es nicht da ist. Auch elektromagnetische Strahlen werden so garantiert nicht ausgesendet. Immerhin ist keine WLAN-Strahlung garantiert nicht gefährlicher als vorhandene WLAN-Strahlung, über deren gesundheitliche Auswirkungen immer wieder heiß diskutiert wird.

Doch auch ein dritter Effekt beim Abschalten von WLAN-Modulen im Access Point oder WLAN-Router wird oft erwähnt. So könnte doch eine ganze Menge Strom durch das Abschalten der Funkmodule gespart werden. Aber wie viel eigentlich genau? Das habe ich im Folgenden praktisch ausprobiert. Und das Ergebnis? Naja, seht selbst…

Strom sparen mit den Access Points / WLAN-Routern Speedport, Mikrotik, Aruba und TP-Link

Für den praktischen Versuch habe ich folgende WLAN-Geräte ausprobiert: Einen Speedport W 724V (2,4 GHz und 5 GHz), einen Mikrotik hAP ac (2,4 GHz und 5 GHz), einen Aruba IAP-305 (2,4 GHz und 5 GHz) sowie einen TP-Link TL-WR841ND (nur 2,4 GHz). Alle Geräte befinden sich seit längerem in meinem Besitz und dienten bereits für so manchen Versuchsaufbau.

Im Baumarkt habe ich bereits vor einigen Jahren ein sogenanntes Energieverbrauch-Messgerät erworben. Kosten: Keine 10 Euro. Es mag bessere und genauere Geräte geben, für den heutigen Test sehe ich damit aber keine Probleme. Immerhin misst das Gerät die Kilowattstunden auf etwa 1% genau.

WLAN-Router und Access Points aus der Testreihe.

Die Testreihe

Das Messgerät kann die Kilowattstunden direkt ermitteln. Für den Versuchsaufbau habe ich pro Gerät in jeweils drei Phasen gemessen. Während der Messungen habe ich die maximale Sendeleistung der Testgeräte auf maximal 25% begrenzt. Das nutze ich genauso auch zu Hause im Regelbetrieb. Eine Ausnahme bildet Phase drei, in der das WLAN komplett deaktiviert ist.

Die erste Phase untersuchte also den Stromverbrauch im Leerlauf, d.h. der WLAN-Router bzw. Access Point ist am Strom angeschlossen und eine SSID ist konfiguriert sowie einsatzbereit. Das entspricht einer Situation, welche in vielen Haushalten nachts üblich sein dürfte. Denn oft werden Endgeräte komplett ausgeschaltet und das WLAN funkt ganz einsam durch die Nacht.

Während Phase zwei wurden fünf Endgeräte mit dem zu testenden WLAN verbunden. Die Endgeräte selbst wurden dabei allerdings nicht weiter genutzt. Auch diese Situation sollte in vielen Haushalten so vorgefunden werden: Wenn Endgeräte nicht ausgeschaltet werden, dann liegen sie während der Nachtstunden inaktiv herum, da man sie eben nicht aktiv nutzen kann, während man schläft.

Für Phase drei wurde das WLAN am Router / AP dann komplett deaktiviert. Keine Endgeräte können sich in dieser Situation mit dem WLAN verbinden. Keine Strahlung, keine Angriffsvektoren. Aber auch weniger Stromverbrauch?

Speedport
W 724V
Mikrotik
hAP ac
Aruba
IAP-305
TP-Link
TL-WR841ND
Durchschnitt
Phase 1:
Leerlauf
0,0074 kWh0,0044 kWh0,0049 kWh0,0015 kWh0,0046 kWh
Phase 2:
5 Clients
0,0086 kWh0,0048 kWh0,0051 kWh0,0016 kWh0,0050 kWh
Phase 3:
WLAN aus
0,0059 kWh0,0031 kWh0,0047 kWh0,0012 kWh0,0037 kWh
Referenz:
Tagesbetrieb
0,0094 kWh0,0051 kWh0,0053 kWh0,0019 kWh0,0054 kWh
Übersicht: Stromverbrauch nach WLAN-Aktivität

Zudem habe ich einen Tag lang den Verbrauch im normalen Betrieb ermittelt (Referenz: Tagesbetrieb). Die Nachtzeiten sind in diesem Fall natürlich ausgeschlossen. Je nach Nutzlast und Anzahl der Geräte schwankt der Verbrauch im Tagesbetrieb und liegt über dem nächtlichen Verbrauch aus Testphase 2. Dieser Verbrauch dient als Vergleichswert zur Berechnung der Einsparung.

Berechnung der Einsparung

Die obige Tabelle zeigt den Stromverbrauch der Testgeräte sowie einen Durchschnittswert aller Testgeräte pro Testphase an. Die Werte können von Anwendungsfall zu Anwendungsfall variieren, denn es kommt auf die aktivierten Dienste und Funktionen an. So lässt sich mit dem Telekom Speedport zum Beispiel auch Telefonieren und es ist eine DECT-Basisstation integriert. Das erklärt den grundsätzlich höheren Stromverbrauch gegenüber dem recht alten TP-Link-Gerät, welches nur im 2,4-GHz-Band funken kann und auch sonst nur relativ wenige Features bietet.

Doch wieviel Strom lässt sich nun im Vergleich zum Tagesbetrieb einsparen, wenn man jede Nacht das WLAN ausschalten würde? Für die Berechnung verwende ich den ermittelten Durchschnittswert pro Phase. Zudem gehe ich davon aus, dass das WLAN von 23 Uhr bis 6 Uhr ausgeschaltet werden könnte. Das sind 7 Stunden. Die anderen 17 Stunden bleibt das WLAN angeschaltet. In diesen 17 Stunden lege ich den ermittelten Verbrauch aus dem Tagesbetrieb zu Grunde.

Nächtlicher Verbrauch

Legt man sich einfach schlafen und schaltet alle Endgeräte ab, entspricht dies Phase 1 (Leerlauf). Pro Nacht werden daher 7 x 0,0046 kWh = 0,0322 kWh verbraucht. Für ein ganzes Jahr mit 365 Tagen ergibt das einen nächtlichen Verbrauch von 11,753 kWh.

Phase 1:
7 * 365 * 0,0046 kWh = 11,753 kWh

Legt man sich schlafen, ohne die Endgeräte abzuschalten (Phase 2: 5 Geräte), wird etwas mehr Strom verbraucht. Pro Nacht werden dann 7 x 0,0050 kWh = 0,0350 kWh verbraucht. Für ein ganzes Jahr mit 365 Tagen ergibt das einen nächtlichen Verbrauch von 12,775 kWh.

Phase 2:
7 * 365 * 0,0050 kWh = 12,775 kWh

Wird das WLAN nächtlich deaktiviert (Phase 3: WLAN aus), werden pro Nacht 7 x 0,0037 kWh = 0,0259 kWh verbraucht. Für ein ganzes Jahr mit 365 Tagen ergibt das einen nächtlichen Verbrauch von 9,4535 kWh. Das ist die stromsparendste Option.

Phase 3:
7 * 365 * 0,0037 kWh = 9,4535 kWh

Täglicher Verbrauch

Für den täglichen Normalbetrieb wird wie in der oberen Tabelle dargestellt ein Verbrauch von 0,0054 kWh angenommen. Dieser Verbrauch liegt für 17 Stunden an. Auf ein gesamtes Jahr gerechnet ergibt das 33,507 kWh Stromverbrauch im Tagesbetrieb.

17 * 365 * 0,0054 kWh = 33,507 kWh

Gesamter Verbrauch

Für den gesamten Jahresverbrauch tagsüber und nachts gilt daher: Nächtlicher Jahresverbrauch + täglicher Jahresverbrauch = Jahresgesamtverbrauch.

Für Phase 1: 
11,753 kWh + 33,507 kWh = 45,26 kWh

Für Phase 2: 
12,775 kWh + 33,507 kWh = 46,28 kWh

Für Phase 3: 
9,4535 kWh + 33,507 kWh = 42,96 kWh

Die folgende Tabelle fasst alle Berechnungen zusammen und zeigt den nächtlichen Jahresverbrauch, die nächtlichen Jahreskosten, den Jahresgesamtverbrauch sowie die Jahresgesamtkosten. Zudem wird das Einsparpotenzial gegenüber Testphase 2 berechnet. Testphase 2 ist das stromintensivste nächtliche Szenario, welches bei der Nichtnutzung des WLANs in der Nacht ohne Zutun entstehen kann.

nächtl.
Jahresverbrauch
nächtl.
Jahreskosten
Jahresgesamt-verbrauch
(Tag + Nacht)
Jahresgesamt-kosten (Tag + Nacht)Einsparpotenzial
Phase 1:
Leerlauf
11,753 kWh3,75 €45,26 kWh14,43 €2,21%
Phase 2:
5 Clients
12,775 kWh4,07 €46,28 kWh14,76 €0,00%
Phase 3:
WLAN aus
9,4535 kWh3,01 €42,96 kWh13,70 €7,18%
Übersicht: Einsparpotenzial durch Abschalten des WLANs in der Nacht

Für die Kostenberechnung wird ein Strompreis von 31,89 Cent pro Kilowattstunde angenommen. Dieser Wert entspricht einer aktuellen Schätzung des BDEW für Januar 2021.

1 Euro, 6 Cent pro Jahr pro Access Point. Einsparpotenzial bei etwa 7,18%

Geht man von oben genannten Berechnungen aus, lässt sich durch das nächtliche Deaktivieren des WLANs für 7 Stunden also etwas mehr als ein Euro pro Jahr sparen:

14,76 € - 13,70 € = 1,06 €

Das ist nicht wirklich der Rede wert, doch jeder Euro zählt. Der genaue Wert hängt vom verwendeten WLAN-Router ab. Bei Mesh-Systemen mit drei Funkmodulen liegt die Einsparung leicht darüber. Und auch die Anzahl der verwendeten Access Points ist entscheidend. Dann vervielfacht sich die Einsparung entsprechend.

Schaltet man das WLAN also nachts aus, lässt sich Strom sparen. Die Einsparung alleine wird aber wohl niemanden überzeugen, die WLAN-Module zu deaktivieren. Auch mich nicht. Erst in Kombination mit Strahlen- oder Sicherheitsbedenken wird das Deaktivieren des Funkchips möglicherweise zu einem sinnvollen Stellhebel. Und glücklicherweise verfügen weitgehend alle heute erwerblichen WLAN-Router und Access Points über Funktionen, mit denen sich das An- und Ausschalten des WLANs ganz automatisch erledigen lässt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.